Sie sind hier:

Startseite Erfahrungsberichte Mein weiterer Krankheitsverlauf

Mein weiterer Krankheitsverlauf

"Ich war nach der Akutphase auch depressiv und hatte Probleme den Haushalt zu führen und lag tagelang im Bett rum ohne wirklich eine Beschäftigung zu haben und keine Alltagsstruktur."

Ich ging regelmäßig zur Therapie und hatte noch eine Zeit lang Angst die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, weil mich alles an die akute Episode erinnert hat. Ich war nach der Akutphase auch depressiv und hatte Probleme den Haushalt zu führen und lag tagelang im Bett rum ohne wirklich eine Beschäftigung zu haben und keine Alltagsstruktur.

Zwischendurch bin ich immer mal wieder zu meinen Eltern in den Spreewald gefahren. Im Dezember 2021 hatte ich aber wieder Arbeit gefunden bis ich im April / Mai 2022 wieder eine akute schizophrene Phase hatte. In dieser Zeit war ich gerade wieder in einer Großkanzlei als Partnersekretärin beschäftigt. Die Arbeitsbelastung war einfach zu viel für mich und mein Körper meldete sich wieder als erstes. Ich meldete mich krank auf der Arbeit und es folgte wieder die Zeit, dass ich zum Flughafen geflüchtet bin und mir ausgemalt habe, ich würde irgendwohin wegfliegen. Eine große Mission würde auf mich warten. Jemand hätte ein Ticket für mich nach Dubai hinterlegt.

Ich war auch wieder zu viel am Handy auf Social Media und habe wieder alles auf mich bezogen und überall Hinweise gefunden. Am Flughafen hatte ich dann eine Panikattacke und bin komischerweise mit 2 Fremden mitgegangen. Ich alarmierte unterwegs meine Psychologin und meine Mutter. Ich fühlte mich benommen. Der Notarzt fuhr mich in die Klinik. Eine Polizistin war auch im Krankenwagen. Es folgten 3 Tage Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Bis ich es dort nicht ausgehalten habe und mich eine Freundin nach 3 Tagen von dort abgeholt hat. Ich hatte schließlich keine Klamotten, Duschzeug, etc. dabei. Als ich zu Hause war, ich denke es war ein Tag später, ging ich zur Polizei und hatte meinen Arbeitgeber wegen Betrug versucht anzuzeigen. Ich hatte wieder so Angstzustände.

Zum Glück waren meine Eltern wegen eines Geburtstages hier in der Umgebung gewesen und konnten mich in die Heimat nach Hause mitnehmen. Dort bin ich freiwillig in die gleiche Klinik gegangen, wo ich auch das erste Mal war, um mich wieder zu beruhigen – gefühlt der einzige Ort, an dem ich das konnte. Denn selbst zu Hause fühlte ich mich verfolgt und hatte Angst. Spätestens da wusste ich, dass ich Medikamente ausprobieren musste, weil ich so eine Phase nicht wieder erleben wollte — diese Einsicht kam erst in der Klinik im zu Hause. Es war wieder wie in einem Film. In der Klinik gab man mir Aripiprazol und seitdem bin ich auch eingestellt – momentan auf 15 mg – und gehe regelmäßig zum Psychiater.

Während dieser ganzen Zeit, also ca. 1,5 Jahre, hatte ich auch Psychotherapie in Anspruch genommen, auch während ich gearbeitet habe, immer einmal in der Woche. Zwischendurch musste ich die Psychologin wechseln, was ich aber nicht weiter schlimm fand, da sie sich beruflich weiterentwickeln wollte. In der Therapie habe ich sehr viel über mich gelernt und endlich den Fokus auf mich gesetzt, an meinen Glaubenssätzen gearbeitet. Es war keine einfache Zeit, aber ich sehr stolz auf mich, dass ich das durchgezogen habe. Ich weiß viele brechen das ab, weil es emotional sehr belastend ist. Unter anderem habe ich auch eine Gruppentherapie gemacht, was mehr eine Meditationsgruppe war über einen Zeitraum von ca. 3 Monaten. Dort habe ich verschiedene Methoden der Meditation gelernt und erfolgreich angewendet.

Außerdem habe ich eine Notfallbox neben meinem Bett stehen mit Fragen und wichtigen Kontakten – Psychiater, Psychologin, Familie, Freunde, falls wieder eine akute Phase kommen sollte. Diese Box  hab ich bisher nicht weiter gebraucht, aktualisiere sie jedoch hin und wieder mit z.B. Chilibonbons und Chili-Lipgloss, Akupressur-Ring.

Kurz vor Weihnachten letztes Jahr hatte sich eine solche Episode wieder angebahnt, die ich aber erfolgreich abwenden / überstehen konnte. Ich nehme immer noch Aripiprazol – zuerst 10 mg und an Weihnachten letztes Jahr hochgesetzt auf 15 mg – und denke die Tabletten helfen mir soweit sehr gut. Ab und zu verspüre ich noch manchmal Angst, ich weiß nicht, ob es die Nebenwirkungen sind, aber sonst vertrage ich es gut.

Insgesamt geht es mir gut und ich kann meinem Alltag nachgehen und gehe meistens einmal die Woche zum Chor. Meinen Hobbies gehe ich nicht mehr so exzessiv nach wie früher. Bin zudem auch viel ruhiger geworden und schaue, dass ich den Alltag achtsamer beschreite mit z.B. einmal am Tag mit einer Meditation. Das Energielevel ist einfach anders als vor den Psychosen und ich würde auch sagen, ich bin nicht mehr so belastbar wie früher.

Ab und zu kommt noch eine depressive Phase durch und es gibt auch Tage, wo ich mich nicht aus dem Haus traue und auch mal tagelang im Bett liege, weil ich gerade nicht wirklich eine Beschäftigung / Arbeit habe. Im Moment mache ich ein Coaching von der Arbeitsagentur und ich versuche wieder Arbeit zu finden. Ich versuche mir selbst nicht so viel Druck zu machen an solchen Tagen und sage mir, dass es ok ist, auch mal solche Tage zu haben. Ich versuche dann mit Aktivitäten dagegen zu wirken, sodass es sich nicht verschlimmert oder mich mit Freundinnen zu treffen, etwas kochen, wieder eine Struktur und Routinen in meinen Alltag zu schaffen.

Meine engsten Freunde und meine Familie wissen von meinen akuten Episoden. Viele gehen auch verständnisvoll damit um und ich bin froh, dass ich ihnen gegenüber offen darüber reden kann. Ich denke das ist ganz wichtig. Wenn es zu einem intensiven Gespräch kommt, sind sie eher neugierig, wohin ich gehe, wer mir Tabletten verschreibt, über was man in der Therapie spricht.

Mal schauen wie es für mich weitergeht. Auf jeden Fall muss ich schauen, dass für mich die Arbeitsbelastung nicht zu hoch ist. Eventuell muss ich die Stunden reduzieren. Mal schauen wie es sich gestaltet. Gelernt habe ich auf jeden Fall mehr auf mich und meinen Körper zu achten, sobald auch die ersten Stresssymptome da sind, ruhiger zu machen.